Die Entwicklung (Psy)

Ich dachte wesentlich weniger darüber nach, als ich das vermutlich hätte in der Situation hätte tun sollen. Ich ging einfach hin. Die Türen waren offen. Und ich trat ein.

Ich wollte mich ordnungsgemäß registrieren. Wenn ich schon diesen Schritt ging, dann wollte ich auch den vollen Umfang des Schutzes des Sanatoriums vor dem Staat haben.

Punkt.

Ich meine, ihr müsst euch das aus meiner Sicht vorstellen damals: Es war eine Kapitulation vor dem System.

Doch niemand war an der Rezeption. Also sah ich mich um, wo ich schlafen konnte. Um es dann am nächsten Tag zu erledigen.

Ich fand eine Abstellkammer. Ich legte mich auf den Boden. Und schlief direkt ein. Zum ersten Mal seit langem schlief ich einfach. Ohne Träume.

Und so nahmen die Dinge ihren Lauf.

Ich lernte einige der damaligen Patienten dort kennen. Die mir irgendwie… verstörend normal erschienen. Ich gebe offen zu, dass das einer der Momente war, in denen ich kurz an meinem Verstand gezweifelt hatte.

Ich erfuhr erst wesentlich später, dass sie auf demselben Weg hier gelandet waren, wie auch ich. Aber das ist eine eigene Geschichte.

Diese Patienten kümmerten sich um mich. Zeigten mir ein Zimmer, in dem noch nie jemand gewesen war. Das von da an zu meinem Zimmer wurde. Bis heute.

Es gab damals uns Patienten. Die gelernt hatten, für einander da zu sein. Was auch immer geschah. Selbst wenn wir einander regelmäßig hatten die Köpfe einschlagen wollen.

Es gab damals die Therapeuten. Nicht viele, auch wenn in den Akten deutlich mehr geführt wurden. Die ihr bestes gaben, um diesen Saftladen irgendwie am Laufen zu halten.

Und den Aufsichtsrat, die uns den Staat so gut sie konnten fern hielten. Und dafür sorgten, dass dieser Laden nicht geschlossen wurde.

Das war die Ausgangslage, in die ich damals hineingestolpert war.

Nach einer Weile begann mein altes Leben zu verblassen. Ich gab mich als Patientin aus. Und keiner stellte Fragen.

Ich nahm an den Therapiesitzungen teil. Half bei den Ordnungsarbeiten. Lernte die Menschen hier kennen. Freundete mich mit ihnen an.

Vom Hausmeister erfuhr ich wesentlich später, dass die meisten Therapeuten Bescheid gewusst hatten. Es war ihnen nicht unbedingt egal gewesen. Aber es war einfacher, mich zu ignorieren. So zu tun, als würde ich zum Inventar gehören. Alles andere hätte Fragen – und Formulare – nach sich gezogen. Und darauf schien niemand hier Lust zu haben.

Es blieb nicht bei meiner Rolle als Patientin.

Es begann damit, dass ich mich um einen Neuzugang kümmerte. Die Therapeuten waren einfach überfordert mit ihr gewesen. Sie kamen ja kaum mit dem „Normalen Abschaum“ hier klar. Und dann bekamen sie jemanden, der gleich 17 Persönlichkeiten in sich trug.

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