Es gibt Tage, da stehe ich einfach am Fenster. Genau, wie einige der Patienten hier. Nahezu jeder hat mal diese Phase. Nur ich… Ich scheine da nie wirklich rausgekommen zu sein. Vielleicht hatte ich auch einfach gelernt, sie zu nutzen. Mir die Zeit der Stille zu nehmen, um den Geräuschen des Umfelds für einen kurzen Augenblick zu entkommen. Denn hier im Sanatorium hatten wir eine Regel: Wer am Fenster steht, wird von den anderen in Ruhe gelassen und nicht gestört. Egal, ob Patient, Therapeut oder Angestellter.
Ich stand am Fenster. Nicht wirklich, weil ich nachdenken wollte, wie es zuvor oft der Fall gewesen war.
Es war anders.
Ich sah auf das Sanatorium herab…
…und wunderte mich.
Das Sanatorium war gewachsen.
Enorm gewachsen.
Es sollte mich eigentlich freuen.
Ich freute mich auch darüber. Zu einem Teil zumindest.
Dennoch hatte all das…
so einen seltsamen Beigeschmack, den ich noch nicht so ganz zuordnen konnte.
Vielleicht, weil ich mir zum ersten Mal die Zeit nahm – die Zeit hatte – über alles, was vorgefallen war, nachzudenken.
Ich konnte mich an mein altes Leben nur noch dunkel erinnern. Die Erinnerungen war zwar klar. Ich wusste, dass sie passiert waren. Und dennoch waren sie einfach… dunkel.
Ich war gar nicht so alt. Und trotzdem fühlte ich mich so, als hätte ich unzählige Leben gelebt.
Viel zu viele für mein Alter.
Ich verstand, wie es dazu gekommen war. Warum ich mich jetzt in dieser Form daran erinnerte. Und nicht früher. Irgendwo… hatte ich mich an das gewöhnt. Was seltsam war, wenn man bedachte, wie schwer es mir fiel, mich an das zu gewöhnen, was direkt vor meinen Augen war.
Ich ging zurück, in meiner eigenen Vergangenheit.
Nicht bis zur Kindheit – das war zu weit.
Bis zu dem Moment, als ich auf der Flucht gewesen war. Die Phase, bevor ich dieses Sanatorium fand.
Ich versuchte mich daran zu erinnern, warum ich geflohen war.
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