Der Saal war dunkel, nur von wenigen Lampen erhellt. Die Schatten der hohen Regale zogen sich wie stumme Zuhörer bis an die Decke. Ein Protokollbuch schwebte in der Mitte des Raumes. Seiten flackernd, als könnte sie das Gesagte kaum schneller aufnehmen.
Die Stimme der Versammelten waren angespannt. Kein Flüstern mehr, sondern harte Schnitte in der Stille.
„Wir haben den Vorgang dokumentiert. Das Bild. Die Vierecke. Ihr Verschwinden.“
„Sie darf das nicht gesehen haben. Es war nicht vorgesehen.“
Ein andererer lachte trocken, ohne jede Freude. „Nichts von dem, was sie tut, ist vorgesehen.
Dann legte sich ein Schweigen über den Tisch. Alle Blicke richteten sich auf Elyon. Er saß ruhig. Die Hände gefaltet. Die Augen so schwer wie der Steinboden.
„Wächter Elyon“, sprach die Stimme des Vorsitzenden. „Sie waren dabei. Sie haben es gesehen. Wir erwarten Ihre Aussage.“
„Der steckt doch mit ihr unter einer Decke!“, rief eine Stimme vom linken Flügel, schrill und aufgeladen.
„Wir haben vom ersten Moment an gesagt, dass ihre Ausbildung ein Fehler ist!“
Ein Raunen ging durch den Saal. Niemand fragte nach, wer gemeint war. Psy? Mira? Oder eine ganz andere?
Die Unklarheit wirkte wie gewollt – als ob allein die Vermischung der Namen schon ein Beweis sei.
„Die verarscht alle“, erwiderte eine tiefere Stimme vom hinteren Tisch. So gelassen, dass sie doppelt schneidend wirkte.
„Das hat bestimmt der Wirt wieder angezettelt.“
Mehrere schnaubten zustimmend. Andere hielten abrupt inne, als hätten sie sich an der eigenen Angst verschluckt.
Der Name des Wirts war im Raum wie ein Brandzeichen: jeder wusste, dass er nicht laut ausgesprochen werden sollte – und genau deshalb tat es immer einer.
Die Blicke richteten sich wieder auf Elyon.
Er schwieg noch, aber man konnte sehen, wie sich die Stille um ihn verdichtete.
Ein paar Sekunden lang geschah gar nichts.
Die Rufe hallten noch nach. Doch niemand wagte es, sie zu wiederholen.
Die Luft im Saal wurde schwer. Als hätte jemand den Atem herausgezogen.
Und während das Protokollbuch unruhig flatterte, richteten sich alle Blicke auf Elyon.
Einige voller Misstrauen. Andere voller Hoffnung. Und dazwischen jene Blicke, die nichts zeigten – nur die Erwartung, dass er die Stille brechen würde.
Doch er schwieg.
Er ließ sie warten. So wie er es immer tat, wenn er wusste, dass das Schweigen mehr Macht hatte als jedes Wort.