Sie sackte ein Stück nach vorn, als würde ihr der Boden unter den Füßen weggleiten – obwohl sie doch saß. Ich erschrak. Viel mehr, als ich zeigen wollte.
„Alles in Ordnung?“, fragte ich und meine Stimme klang zu weich, zu aufrichtig. Ich hörte es selbst. Ich legte ihr die Hand auf die Schulter, weil ich nicht wusste, was ich sonst tun sollte.
Doch in dem Moment, in dem meine Haut ihre berührte, durchströmte mich etwas, das nicht von mir kam. Ein warmer Strom, wie eine Erinnerung, die ich nie erlebt hatte – und trotzdem als meine erkannte.
Ich zog die Hand nicht zurück. Nicht, weil ich mutig war. Sondern, weil ich Angst hatte, dass dieser Strom abreißen würde, wenn ich es tat.
Es fühlte sich an, als hätte jemand für einen Augenblick eine Tür in mir geöffnet. Nicht nach außen, sondern nach innen. Ein Altes, Vertrautes, das ich nie beim Namen genannt hatte, regte sich darin.
War es ihr Schmerz, den ich spürte?
Oder etwas, das wir beide kannten und längst verloren hatten?
Ich wollte fragen – doch die Worte blieben mir im Hals stecken.
Das Tuscheln begann sofort. Natürlich – in diesem Alter reichte jede Geste, um zur halben Sensation zu werden. Ein paar Blicke trafen uns – neugierig, spöttisch, abschätzend.
Sie sah nicht zu ihnen. Sie sah nur mich an. Ruhig, beinahe gefasst.
„Danke. Es geht wieder. Ich habe nur manchmal diese Kopfschmerzen.“
Ihre Stimme war so schlicht, dass man fast glauben konnte, es sei nichts Besonderes gewesen. Aber genau in dieser Sicherheit lag etwas, das mich noch mehr aus dem Gleichgewicht brachte als die Wärme von eben.
Noch ehe ich etwas erwidern konnte, klatschte der Lehrer zweimal laut in die Hände.
„So. Jetzt ist Schluss mit dem Gemurmel. Wir fangen an.“
Das Tuscheln verebbte sofort, die Aufmerksamkeit der anderen löste sich von uns, als wären sie wieder Luft.
Nur ich spürte noch den Nachhall auf meiner Schulter – und den Blick, mit dem sie mich eben angesehen hatte.
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