📰Wenn Verantwortung plötzlich „System“ heißt

„Das System“ hat versagt.
Oder war es doch jemand?

Es ist ein bemerkenswerter Trend unserer Zeit:
Wenn etwas schieflÀuft, war es selten jemand.
Es war das System.

Das System hat versagt.
Das System war ĂŒberfordert.
Das System hat nicht reagiert.

Systeme sind praktisch.
Sie tragen viel – vor allem Schuld.

Ein Minister erklĂ€rt, man habe „systemisch unterschĂ€tzt“.
Eine Behörde verweist auf „strukturelle Herausforderungen“.
Ein Konzern spricht von „Prozessfehlern“.

Man hört genau hin –
und merkt: Kein Name. Kein Subjekt. Nur Konstruktion.

NatĂŒrlich sind Systeme komplex.
NatĂŒrlich sind Strukturen relevant.
Aber irgendwann wird aus „systemisch“ ein Schutzschild.

Unser MoPro-Klima-Rat formuliert es nĂŒchtern:
„Ein System ist kein Wesen. Es handelt nicht. Menschen tun das.“

Der Vorteil des Systembegriffs liegt auf der Hand:
Er klingt groß. Sachlich. Wissenschaftlich.
Und vor allem: distanziert.

Wer sagt „Ich habe entschieden“, trĂ€gt Gewicht.
Wer sagt „Das System hat entschieden“, trĂ€gt Analyse.

Montage sind keine Tage fĂŒr Empörung.
Sie sind Tage fĂŒr PrĂ€zision.

Vielleicht beginnt Verantwortung wieder dort,
wo man das Wort „System“ durch ein „Wir“ ersetzt.

Strukturen erklÀren viel.
Aber sie entschuldigen nicht alles.

Telegram-Kurzformat

Wenn niemand verantwortlich ist,
war es meistens „das System“.


đŸȘ“đŸ‡
Nachgedacht fĂŒr alle, die wissen:
Ein System ist nur so anonym,
wie wir es formulieren.

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