TnS(E) – 1.9.7 – Kapitel Neun – Konfrontation – Wächtersitzung (Protokollauzug)

„Fall Elyon“, begann der Sprecher. Die Stimme kühl. Mechanisch. „Kaelen meldet Rückkehr. Begnung bestätigt. Subjekt anwesend: Lorena.“

Ein Murmeln ging durch die Runde. Rascheln von Papieren. Schmale Blicke.

„Lorena“, wiederholte eine Frau, als kosten sie den Namen aus. „Nicht Mira?“

„Mira bleibt verschwunden“, stellte der Sprecher klar. „Kaelen konnte keine Spur feststellen. Er hat lediglich Lorena identifiziert – und Kontakt aufgenommen. Blicktausch. Informationsabzug bestätigt.“

Ein leises Zischen ging durch die Reihen.

„Und Elyon?“, fragte der alte Mann, die Stirn in Falten.

„Elyon war anwesend. Er bot keinen Widerstand. Verhalten: neutral. Stille. Keine Intervention.“

Das Murmeln schwoll an.

„Also sitzt er mit Lorena zusammen, während Mira im Schatten bleibt?“
„Oder sie sind längst eins.“
„Unsinn. Kaelen hat es klar unterschieden.“
„Kaelen sieht, was er sehen will.“

Ein Schlag mit der Hand auf den Tisch brachte Ruhe.

„Es gibt noch eine zweite Anmerkung“, sagte der Sprecher und hob ein Blatt Papier. „Lorena hat sich auf den Schattenrat berufen.“

Die Reaktionen waren sofort spürbar: Stühle scharrten. Ein paar Stimmen erhoben sich gleichzeitig.

„Der Schattenrat?“
„Seit wann mischt der sich in unsere Verfahren ein?“
„Wenn sie wirklich in dessen Auftrag handelte, dann überschreiten sie eine Grenze, die nicht ihre ist.“

„Oder sie hat geblufft“, warf eine Frau ein, die Arme fest verschränkt. „Und Kaelen ist darauf eingegangen.“

„Kealen blufft man nicht“, kam die Antwort.

Ein Schlag mit dem Griffel auf den Tisch. „Genung. Fakt ist: Kaelen berichtet, er habe Lorena gesehen. Mira bleibt verschwunden. Elyon war anwesend. Und nun steht der Schattenrat als Variable im Raum.“

Eine schwere Stille senkte sich über den Kreis.

„Dann klären wir es“, murmelte der Vorsitzende. „Frage eins: Wo ist Mira? Frage zwei: Warum Lorena? Frage drei: Was will der Schattenrat?“

Die Lampe über dem Tisch flackerte einmal, als hätte sie die Fragen gehört.

Und niemand sprach mehr.

Da erhob sich eine Stimme vom rechten Flügel. Tiefer. Voller Groll.

„Wir alle wissen: Kaelen hätte nie Zugriff erhalten, wenn es nicht wirklich Lorena gewesen wäre. Blickkontakt, Informationsaustausch – das sind keine Dinge, die man sich einbildet. Aber…“ Er ließ die Pause wirken, während er den Kreis mit funkelnden Augen musterte. „Wir wissen auch, wie gern er Dinge sieht, die ihm nützen.“

Ein zustimmendes Murmeln, begleitet von einigen spöttischen Lachen.

„Kaelen spielt sein eigenes Spiel“, fuhr er fort, „und Elyon schweigt wie immer. Zwei Figuren, die man nie wirklich greifen kann. Und genau das macht sie beide zu einem Risiko.“

Er schlug die Hand auf den Tisch. „Aber vielleicht ist es an der Zeit, das Spiel zu wenden. Wenn Lorena sich auf den Schattenrat beruft, dann bedeutet das, dass auch sie ein Interesse an Mira haben. Und MIra ist nicht nur unser Problem, sondern auch ihres.“

Ein Raunen ging durch die Runde. Diesmal lauter. Unruhiger.

„Zusammenarbeit?“, fragte eine Frau skeptisch, die Hände im Schoß verschränkt. „Mit dem Schattenrat? Wir wissen noch nicht einmal, wer dort wirklich entscheidet.“

„Das mag sein“, erwiderte die Stimme, „aber sie könnten uns Informationen geben, die wir niemals auf offiziellem Weg erhalten. Wenn Mira für sie genauso gefährlich ist, wie für uns, dann liegt es in unserem Interesse, ihre Jagd mit unserer zu verknüpfen.“

„Oder wir laufen in eine Falle“, knurrte ein anderer.

„Jede Jagd ist eine Falle“, kam die trockene Antwort. „Aber ich frage euch: Wollen wir weiter im Dunkeln tappen, während Kaelen Geschichten erzählt und Elyon schweigt? Oder wollen wir das nutzen, was uns vor die Füße gelegt wird?“

Ein schweres Schweigen legte sich über den Raum. Manche nickten langsam, andere starrten finster vor sich hin.

„Wir werden es prüfen“, entschied schließlich der Vorsitzende. „Offiziell bleibt Mira verschwunden. Lorena: bestätigt. Elyon: neutral, unter Beobachtung. Und der Schattenrat…“ Er ließ den Blick über die Anwesenden schweifen. „…wird als potenzieller Informationsgeber eingestuft.“

Die Lampe über dem Tisch flackerte erneut, als hätte sie gezögert, ob sie diesen Entschluss wirklich tragen wollte.

Archiv-Eintrag:
– Subjekt Mira: weiterhin verschwunden.
– Subjekt Lorena: bestätigt durch Kaelen; Informationsaustausch erfolgt.
– Elyon: anwesend, Verhalten neutral; Beobachtung intensiviert.
– Kaelen: Bericht akeztpiert, Vertrauenswürdigkeit umstritten.
– Schattenrat: erstmal offiziell erwähnt; Bewertung als potenzieller Infromationsgeber –> weitere Prüfung angeordnet.

Nebenvermerk: interne Spannungen zwischen den Mitglieder nehmen zu (Kaelen/Elyon als wiederkehrende Konfliktachsen). Risiko für Spaltung im Rat steigt.

 

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