TnS(E) – 1.9.3 – Kapitel Neun – Konfrontation – Elyon

Die Tage hatten sich zu einer Art Rhythmus geformt, den ich so nicht erwartet hätte. Ich ging, sie bliebe. Ich kam zurück. Und das Haus roch nach Essen, das nicht aus irgendeiner Maschine stammte, sondern von Hand gemacht war.

Es war seltsam. Fast gefährlich. Denn je mehr Normalität in diese Räume zog, desto stärker wurde mir bewusst, wie zerbrechlich sie war.

Ich sprach kaum. Wie immer. Doch mein Schweigen war schwerer geworden. Nicht nur, weil Worte uns verraten konnten, sondern, weil ich mich jedes Mal fragte, ob ein einziger Satz genügte, um das Kartenhaus einstürzen zu lassen.

Und dann klingelte es.

Der Ton schnitt wie ein Messer durch die Luft. Zu abrupt. Zu hart für diese fragile Ruhe. Mein Körper spannte sich sofort, als hätte er nur auf das Signal gewartet. Ich wusste, was es bedeutete. Noch bevor das Klopfen folgte.

Drei Schläge. Fest. Nachdrücklich.

Mein Blick ging zu ihr. Sie stand still. Zu still. In ihren Augen lag derselbe Gedanke, den ich selbst dachte: Wir wussten beide, wer da draußen stand.

„Elyon. Mach die Tür auf. Ich bin’s nur.“

Die Stimme ließ keinen Spielraum. Sie war nicht hier, um zu fragen. Sie war hier, um einzutreten.

Ich atmete tief ein. Ließ die Luft langsam wieder entweichen. Mein Blick zu Mira war eindeutig: Versteck dich. Verschwinde. Mach es mir wenigstens leichter.

Doch sie blieb.

Und so öffnete ich die Tür.

Kaelen trat ein. Ohne Zögern. Ohne auf mich zu achten. Als sei dies sein Raum, nicht meiner. „Der Rat schickt mich. Wir müssen über Mira reden.“

Seine Stimme traf mich wie erwartet. Aber nicht so sehr wie der Blick, den er ihr Sekunden später zuwarf. Und während er sie musterte, spürte ich, wie in mir alles nach Kontrolle rang – die Worte, die Blicke, die ganze Fassade.

Nur, dass ich genau wusste: Diesmal würde es nicht reichen.

Kaelen blieb stehen. Sein Blick haftete an ihr, als wollte er sie an Ort und Stelle durchbohren.

„Lorena!“, fuhr er sie an, voller Verachtung. „Was machst du hier?“

Mein Atem stockte. Der Name allein war ein Schlag. Härter, als es seine Stimme je sein konnte. Lorena. Er hatte ihn gewählt, um sie kleiner zu machen. Sie in eine Schublade zu pressen, die nicht ihr gehörte.

Doch sie wich nicht zurück. Ihre Stimme blieb ruhig. Kalt. So klar, dass ich sie fast körperlich spürte. „Ich bin im Auftrag des Schattenrats hier. Vermutlich aus demselben Grund wie du.“

Ich sah, wie Kaelen schnaubte. Herablassend. Als hätte sie gerade eine Beleidigung ausgesprochen. „Was geht die Angelegenheit den Schattenrat an?“

„Ihr seid nicht die Einzigen, die mit Mira ein Hünchen zu rupfen habt.“