TnS(E) – 1.8.3 – Kapitel Acht – Sehnsüchte – Psy

Ich hörte ihnen zu, wie sie einfach über mich sprachen, als sei ich nicht im Raum. Es war nicht so, dass ich das nicht gewohnt war. Nur hatte das hier einen ganz anderen Maßstab.

Das hier waren Lehrer. Und einen guten Teil davon kannte ich aus dem Unterricht. Und sie rollten hier gerade alle Gerüchte auf, die über mich in der Schule kursierten. Alle. Nur nicht die, in denen ich als Hexe dargestellt wurde und mit Okkultismus zu tun hatte.

Ganz am Anfang hatte ich einen einzigen kurzen Blick zu meinem Lehrer geworfen. Und dieser Blick hatte alles gesagt: Ich sollte schweigen.

Also schwieg ich.

Und seltsamerweise fiel mir das enorm leicht.

Und dann ging es auf einmal los, ehe ich rückblickend so genau sagen konnte, wie es überhaupt wirklich begonnen hatte.

Sie begannen mir Fragen zu stellen.

Zu meiner Person.

Zu meinem Leben.

Meiner Familie.

Meinen Freunden.

Meinen Hobbies.

Der Religion meiner Eltern.

Dabei nannten sie Details in ihren Fragen, die sie gar nicht wissen konnten. Details, die weder meine Freunde, noch meine Familie kannten. Die ich noch nicht einmal in meinem Tagebuch aufgeschrieben hatte.

Ich machte mir gar nicht erst die Mühe, mir irgendwelche Lügen auszudenken oder mich zu rechtfertigen: Ich antwortete ihnen einfach direkt und ehrlich.

Einige von ihnen schien es zu imponieren.

Bei den anderen löste es sichtbar ein Raunen aus.

Und sie schienen sich auch nicht sicher zu sein, ob sie mir das glauben sollten – erkannten aber gleichzeitig, dass sie gar keine andere Wahl hatten, als mir zu glauben.

Ich wagte es nicht, den Lehrer, der mich hierher gebracht hatte, auch nur eine Sekunde lang anzusehen. Ich wurde einfach das Gefühl nicht los, dass es ihn in Schwierigkeiten bringen würde, wenn ich durch einen Blick zu ihm auch nur einen Funken Unsicherheit zuließ.

Und dann fragten sie mich tatsächlich nach den Gerüchten bezüglich Misa. Was zwischen mir und ihr gelaufen war. Ob ich tatsächlich mit ihr rumgemacht hätte und wie weit ich mit ihr gegangen sei.

In diesem Moment sah ich Bilder vor meinem Inneren aufflackern, als würde jemand beginnen meine Erinnerungen zu lesen.

Und so antwortete ich nur schlicht: „Wir haben nicht rumgeknutscht. Wir haben ein Ritual im Keller durchgeführt – mit Dämonenkarten und Ouija-Brett inmitten von Kerzen.“

 

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