Die Zeit verging. Und das Mädchen wuchs heran.
Sie hatte sich an ihr Leben schnell gewöhnt.
Wo sie den Wirt unterstützen konnte, da unterstütze sie ihn. Egal, um welche Arbeiten es sich handelte – sie erledigte es sauber, präzise und zügig. Sie beschwerte sich niemals, denn die Arbeit bereitete ihr Spaß.
Von den Gästen wurde sie geschätzt und geachtet. Insbesondere die Trolle schienen einen Narren an ihr gefressen zu haben. Vielleicht lag es daran, dass sie über ihre Witze lachte und niemals nörgelte, wenn sie wieder einmal etwas zu Bruch gehen ließen. Ganz im Gegenteil. Sie brachte einen Scherz, räumte umgehend auf und brachte einem jeden genau das Getränk, das er bevorzugte. Sogar angepasst an die Stimmung.
Gerne hätte sie mehr Zeit mit dem Jungen verbracht. Vor allem in ihrer Freizeit. Doch kaum, dass sie sich in ihre Nähe begab, verschwand er fast augenblicklich.
Und so beobachtete sie ihn einfach aus der Ferne, wenn sie die Gelegenheit dazu hatte. Und manchmal, wenn etwas vom Apfelkuchen übrig blieb, stellte sie es ihm einfach vor seine Zimmertür. Dabei wusste sie noch nicht einmal, ob er das mochte. Es ging ihr viel eher um die Geste. Ähnlich dem, wie sie es von dem Wirt gelernt hatte.
Und so kam es, dass sie eines Tages in den Keller hinabstieg. Rückblickend betrachtet wusste sie noch nicht einmal mehr, was sie dort unten gewollt hatte.
Sie konnte sich nur dunkel daran erinnern, dass sie mit einem Korb in den Armen, der viel zu schwer für sie gewesen war, auf dem Weg nach unten sich befand.
Sie konnte sich daran erinnern, wie sie an der düsteren Tür mit dem Eisenring davor vorbeigelaufen war. Eine Tür, die ihr eiskalt einen Schauer den Rücken runterlaufen ließ. Und die sie mied, wo sie nur kannte.
Und wie sie an dieser Tür einfach kurz zitternd vorbeilief. Wie sie kurz inne hielt, weil ihr plötzlich der Atem stockte und sie einen festen Griff an ihrem Hals verspürt hatte.
Doch sie war einfach weitergelaufen. Zu dem Ziel, an das sie sich nicht mehr erinnern konnte.
Und dann fand sie sich im hinteren Flügel des Kellers wieder, von dem sie noch nicht einmal gewusst hatte, dass es ihn gab.
Sie erinnerte sich nur dunkel daran, wie sie in eine Art Trance fiel. Als würde allein schon die Existenz dieser alten Tür aus Holz und Metall sie wie in einen Bann ziehen.
Sie hatte die Tür berührt. Und sie war einfah aufgesprungen.
Sie konnte sich erinnern, wie sie eingetreten und die Tür hinter ihr zugefallen war.
Als sie in dem Raum stand, war es so, als würde sie in einer grauen Wohnung ohne jegliche Farbe stehen, die sie schon unzählige Male zuvor in ihrem Leben gesehen hatte.
Und dann geschah das, woran sie sich klar und deutlich erinnern konnte: Da waren plötzlich Kinder, die in einem Kreis um sie herum standen.
Die sie anstarrten.
Die eine dunkle und düstere Sprache sprachen, die ihr durch Knochen und Mark drang.
Die sie lähmte und die Welt verschwommen sehen ließ.
Und immer näher auf sie zukamen, ohne, dass sie eine Möglichkeit hatte, zu entkommen oder auszuweichen.
Wie denn auch, wenn sie sich nicht bewegen konnte?
Und dann kamen sie immer näher auf sie zu.
Alles, was blieb, war der stumme Schrei in ihrem Inneren, den weder jemand hören konnte, noch sie laut von sich zu geben vermochte.
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