Die Zigarette schmeckte schal. Wie alle in dieser Welt.
Aber das Grinsen konnte ich mir nicht verkneifen, als sie meinen Namen sagte, noch bevor ich ihn ausgesprochen hatte.
„Nick“, wiederholte ich leise. Fast so, als müsste ich mich selbst daran erinnern.
Sie hatte ihn nicht erfunden. Sie hatte ihn gewusst.
Und das machte sie gefährlich.
Ich ließ den Rauch langsam aus den Lungen strömen, sah sie dabei an.
Sie saß da. Wie ein Mädchen, das viel zu früh erwachsen geworden war – oder wie eine Frau, die in einen Körper zurückgeworfen wurde, der längst nicht mehr zu ihr passte.
Beides war richtig. Beides war falsch.
„Du solltest vorsichtiger sein, Psy“, sagte ich und ich hörte, wie vertraut es klang, obwohl sie vielleicht glaubte, ich hätte den Nmane zum ersten Mal in den Mund genommen.
„Manchmal ist es nicht klug, etwas laut auszusprechen, nur, weil man es fühlt.“
Ich zog noch einmal an der Zigarette. Spürte, wie der Rauch kratzte. Und dachte im Stillen: Und manchmal ist genau das der einzige Weg, den Riss zu finden.
„Hier nenn man mich Juu“, sagte sie ruhig, fast abgeklärt. Als hätte sie diesen Satz schon dutzende Male geübt.
Nicht trotzig, nicht fragend – einfach wie eine Feststellung, die im Raum stehen musste.
Ich nickte langsam. Zog an der Zigarette. Blies den Rauch nach oben.
„Juu also.“
Das Grinsen wich nicht, aber es wurde schmaler.
„Ein Name, der dich schützt. Aber nicht der Richtige.“
Sie blinzelte. Und für einen kurzen Moment sah ich das Flackern in ihren Augen: der Versuch, sich an etwas zu erinnern, das gleichzeitig da war und nicht da sein dufte.
„Ich nenne dich so, wie du willst“, fügte ich hinzu, legte die Zigarette zwischen die Finger und tiptte die Asche auf den Boden, wo sie lautlos verschwand.
„Aber du solltest wissen: Namen sind Türen. Manchmal öffnen sie in die falsche Richtung.“
Ich lehnte mich zurück auf der Schuakel, ließ die Ketten knarren. Und sah sie an, wie man eine Antwort sieht, die man längst kennt – aber wissen will, ob der andere sie ausspricht.
„Es ist nicht so, als hätte ich eine Wahl“, sagte sie. Ihre Stimme war leise, aber nicht zerbrechlich.
„Es ist noch nicht einmal der richtige Name, sondern der, den mir meine ‚Freundinnen‘ gegeben haben.“
Ihr Blick verriet mehr als die Worte. Ein Schimmer, als würde sie das Chaos dahinter längst ahnen – und nur so tun, als könne sie es ignorieren.
Ich hielt den Atem einen Augenblick an, die Zigarette halb zwischen meinen Fingern.
Sie begriff mehr, als sie aussprach. Das war gefährlich. Und faszinierend.
„Dann mach ihn dir zu eigen“, antwortete ich schließlich. Meine Stimme klang ruhiger, als ich mich fühlte.
„Solange du ihn trägst, bestimmt er dich. Wenn du ihn trägst, weil du ihn willst, bestimmst du ihn.“
Ich lehnte mich nach vorne. Ließ die Schaukel leicht nachschwingen.
„Die meisten unterschätzen, was ein geliehener Name mit ihnen macht.“
Mein Grinsen kehrte zurück, diesmal fast sanft.
„Aber du bist nicht wie die meisten.“
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