TnS(E) – 1.3.4 – Handlungsabsicht – Psy

Die nächsten Tage waren mehr als seltsam. Natürlich bekam ich Ärger dafür, dass ich die Hausaufgaben nicht dabei gehabt hatte. Natürlich hatte mir die Lehrererin nicht geglaubt, dass ich sie gemacht hatte. Und natürlich löste es in mir Resignation aus: Wofür gab ich mir überhaupt Mühe?

Auch meine sogenannten Freundinnen gingen mir ein klein wenig auf die Nerven. Allen voran Misa war seltsam zu mir. Dabei konnte ich spüren, dass ich sie immer gemoch hatte. Mich sogar fast schon von ihr angezogen gefühlt hatte. Ich spürte, dass es mit meinem letzten Besuch bei ihr zusammehing. Dass dort irgendetwas vorgefallen war, was alles verändert hatte zwischen uns.

Und so zog ich mich auf den Spielplatz im Wald zurück. Ich setzte mich auf die Schaukel und rauchte. Dabei sollte ich nicht rauchen. Wenn meine Eltern das mitbekamen, würden sie mich kömpfen. Und doch hatte ich das Gefühl, dass ich schon mein Leben lang geraucht hatte.

Nur wenige Menschen suchten diesen Spielplatz auf. Er war den meisten Menschen unheimlich. Ich fühlte mich hier irgendwie wohl.

Und während ich da saß, dachte ich über meinen Besuch bei Misa nach. Jedes Mal, wenn ich versuchte daran zu denken, bekam ich so starke Kopfschmerzen, dass ich beinahe umfiel. Dass mir kurz schwarz vor Augen wurde. Da war diese eine Erinnerung. Und dann die andere. Und dann war da immer Misas Blick. Als würde sie von mir etwas erwarten, was ich ihr nicht bieten konnte.

Vielleicht war die Wahrheit auch ganz einfach und simpel. Die Grüchte stimmten. Und wir konnten beide damit nicht leben.

Ein Windhauch wehte. Ich kniff für einen Augenblick meine Augen zusammen.

Als ich sie wieder öffnete, stand ein junger Mann vor mir. Er trug eine schwarze Lederjacke. Seine Augen waren von einem solch dunklen Braun, dass sie schon beinahe Schwarz erschienen. Seine Haare waren kurz und irgendwie komisch. Nicht, weil sie komisch waren – der Haarschnitt war sogar recht schick – sondern, weil ich sie gleichzeitig in einem Braun und einem dunkleren Blond sah.

Etwas in meinem Inneren vibrierte.

Dann setzte er sich einfach auf die Schaukel neben mich und fragte schlicht: „Hast du mir auch Eine?“

Ich reichte ihm einfach die Zigarettenschachtel. Er nahm sich Eine heraus.

„Mein Name…“, begann er und ich beendete ihn einfach für ihn: „Nick.“

Doch anders als alle anderen, die ich zuvor beim Namen genannt hatte, reagierte er anders.

Er zündete sich entspannt seine Zigarette an, zog genüsslich daran und grinste.

 

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