(Diese Niederschriften vom Truther wurden versehentlich gefunden. Wir sind uns nicht sicher, ob er einer Veröffentlichung zugestimmt hat. Allerdings hat er das Schreiben, das es uns verbietet, es zu veröffentlichen, nicht unterschrieben. Daher hier der zweite Teil seines Romans.)
Das Fest wurde ein voller Erfolg.
Selbst ihr Vater konnte sich darüber nicht beschweren. Rang sich sogar ein Lob für sie ab. Das ihr mehr bedeutete, als sie jemals zeigen würde.
Als sie sich in jener Nacht schlafen legte, schlief sie so gut, wie schon seit einer ganzen Weile nicht mehr.
Und wachte am Morgen so erholt auf, wie sie sich noch nie zuvor gefühlt hatte.
Zumindest nicht in der Zeit, an die sie sich erinnern konnte.
Die kommenden Tage waren getragen von einer sanften und angenehmen Stimmung. Sie fühlte sich ruhig. Ausgeglichen. Erholt.
Ein wenig wunderte es sie. Sie war auch versucht, darüber genauer nachzudenken.
Doch dann entschied sie, diesen Zustand einfach zu genießen.
Es war schon viel zu lange her, dass sie sich so gut, entspannt und ausgelassen gefühlt hatte.
Selbst ihr Vater war erfreut von dem Abend gewesen.
Hatte sie gelobt, was für sie fast schon an ein Wunder grenzte.
In jenem Augenblick hatte sie sich einfach nur gefreut. Die wahre Bedeutung dieser Freundlichkeit, die mit der Ankunft der Ritter zusammenhing, viele aus sehr gutem Hause, sollte sie erst später verstehen.
Ihr Vater war die kommenden Wochen wie verändert. Er hatte gute Laune. War ausgelassen. Und trank so gut wie gar nichts mehr. Eine Entwicklung, auf die sie schon lange zu hoffen aufgehört hatte.
Sie fragte nicht nach.
Erst im Rückblick sollte ihr bewusst werden, dass sie das vielleicht besser hätte tun sollen.
Die Verantwortung nahm zu: Ihm schien es von besonderer Wichtigkeit zu sein, dass die eingtroffenen Ritter, die von nun an hier lebten, gut versorgt und unterhalten wurden.
Da sie so gute Arbeit am ersten Abend geleistet hatte, beauftragte er sie damit.
Und so kümmerte sie sich darum, dass es den Rittern an nichts fehlte.
So kam es, dass sie sich mit ihnen unterhielt. Ihre Eigenheiten kennelernte. Ihre Abstammung. Und so weiter.
Ihr entging nicht, dass die Ritter ein Interesse an ihr entwickelten. Doch sie sagte nichts dazu. Kokettierte hin und wieder mit manch einem von ihnen. Und schaffte es sogar, die Aufmerksamkeiten und kleineren Geschenke, die manch einer von ihnen ihr darbrachte, zu genießen und mit einem sanften Lächeln oder einer schüchternen Berührung am Oberarm zu vergüten.
Das war der Moment, in dem ihr dämmerte, welches Spiel ihr Vater mit ihr und den Rittern spielte.
Er suchte nach einem passenden Gemahlen für sie.
Diese Erkenntnis traf sie wie ein Schlag in die Magengrube.
Dabei wusste sie noch nicht einmal, warum es sie so dermaßen traf. Es war vorhersehbar gewesen, dass dieser Tag eines Tages kommen würde. Das wusste sie.
Sie wusste, dass sie ihm eigentlich noch dankbar sein sollte – ihr Vater hatte sie nicht einfach vermählt, mit irgendwem, den er für richtig erschien, wie es die anderen Könige und Fürste zu tun pflegten.
Stattdessen veranstaltete er dieses Theater.
Nachdem sie dieses Wissen getroffen hatte, verging der restliche Tag für sie wie in einem Rausch. Fühlte sich mehr nach Traum als nach Realität an. Sie erlebte sich selbst, wie sie alles tat, was sie immer tat. Und doch war sie nicht wirklich dabei. Fühlte sich nicht. Spürte sich nicht. Dachte nichts.
Und fand sich in der Abenddämmerung auf dem obersten Turm des Schlosses wieder.
Sie stand einfach da, an der Wand gelehnt.
Den Blick in den blutroten Himmel der Abenddämmerung gerichtet.
Sie sah ihn einfach nur an.
Dachte nichts.
Fühlte nichts.
So war es also.
Sie würde bald verheiratet werden. Und die Auswahl an Kandidaten war hier.
Wenigstens hatte sie die Wahl. Und sie sollte sie nutzen, ehe ihr Vater das für sie übernahm.
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