Ich wusste selbst nicht, warum ich lächelte.
Vielleicht, weil sie mir mit ihrer Direktheit schon wieder den Wind aus den Segeln genommen hatte. Vielleicht, weil sie nicht verstand, wie ernst die Lage war. Oder vielleicht, weil ich genau das in diesem Moment brauchte – eine Erinnerung daran, dass es immer noch etwas zu lächeln gab.
Sie hatte recht: Die Welt war grau.
Grau in ihren Blöcken. Grau in ihrer Ordnung. Grau in der Art, wie sie alles gleichschaltete. Aber das Lächeln kam, weil sie nicht zurückwich.
Sie sah all das. Und trotzdem stand sie neben mir. Stellte Fragen, die kein anderer stellen würde.
„Schwierig. Die Welt hier ist genauso zentralisiert, wie du sie im Efir erlebt hast“, hatte ich gesagt.
Und in mir hallte der unausgesprochene Nachsatz nach: Und du wirst früher oder später genau das spüren, was ich seit Jahren spüre.
Ich blickte auf die Uhr an meinem Handgelenk. Ein Reflex.
Als könnte sie mir irgendeine Antwort geben, die mir fehlte.
Doch sie zeigte nur die Zeit.
Eine Zeit, die uns weglief.
Ich atmete durch und fügte – diesmal nur in Gedanken – hinzu: Aber solange du hier bist, Mira, halte ich dich so lange wie möglich davon fern.
Dann machte ich einen Schritt nach vorn und deutete auf die Straße, die sie vor uns ausbreitete.
„Komm“, sagte ich schlicht.
Es klang nüchterner, als ich es meinte, aber mehr ließ meine Stimme nicht zu.
Ich wusste: Wenn wir stehen blieben, würde sie wieder anfagen zu fragen. Und ich wusste auch, dass ich ihr keine Antwort geben konnte, ohne etwas preiszugeben, das sie noch nicht hören durfte.
Also ließ ich meine Schritte das Gespräch führen.
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