TnS(E) – 1.2.2 – Spiegelverkehrt – Elyon

Ich stand noch immer im Türrahmen, als hätte mich jemand dort festgenagelt. Nicht, weil ich nicht gehen konnte – sondern, weil ich nicht wusste, ob ich gehen sollte. Jeder Muskel in mir sagte: Bewegung würde etwas auslösen. Etwas, das wir beide nicht mehr zurückholen könnten.

Mira saß auf dem Bett, als gehöre es ihr. Ruhig, kontrolliert, mit deisem Finger an der Brust, der ihr so oft half, den Sturm in sich zu bändigen. Und ich wusste: Das hier war kein Traum. Kein Efir-Spiel. Keine Simulation.

Sie war wirklich hier.

Und das bedeutete, dass etwas in der Trennung zwischen den Linien versagt hatte.

Ich versuchte, etwas zu sagen. Einen dieser nüchternen Sätze, die Dinge in Schubladen legten, weil sie sonst auseianderfielen. Aber was mir über die Lippen kam, war nur ein raues Flüstern: „Du hättest nicht hier sein dürfen.“

Und während die Worte den Raum füllten, wusste ich bereits, dass sie nicht mehr verschwinden würden. Sie waren ausgesprochen. Sie waren wahr.

Und alles, was wir bisher unter Verschluss gehalten hatten, begann in mir zu beben.

Sie verdrehte die Augen.

„Das weiß ich selbst. Was macheb wir jetzt?“

Dieser Satz traf mich härter, als ich zugeben wollte.

Nicht wegen des Inhalts – sie hatte recht, sie wusste es längst.

Sondern, wegen der Selbstverständlichkeit, mit der sie ihn sagte.

Als wäre es das Natürlichste der Welt, dass sie hier war.

Als hätten wir nicht gerade eine Grenze durchbrochen, die niemals durchbrochen werden durfte.

Ich atmete tief ein, zwang meine Schultern zurück.

„Jetzt?“, wiederholte ich und hörte, wie meine Stimme tiefer klang als sonst, schwerer.

„Jetzt tun wir genau das, was wir immer getan haben.“

Ich setzte einen Schritt in den Raum.

Und während der Boden unter meinen Füßen knarrte, wusste ich, dass es ab hier keine Umkehr mehr geben würde.

 

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