Tns(E) – 1.2.1 – Kapitel Zwei: Spiegelverkehrt – Mira

„Ich frage gar nicht erst“, sagte ich mehr zu mir selbst als zu ihm. Dann setzte ich mich auf das Bett, als wäre es meins, obwohl es das sicherlich nicht war.

Elyon stand noch immer wie angewurzelt im Türrahmen.

Und ich versuchte mich zu sortieren. Mir war klar, was passiert war. Ich konnte es nur nicht so ganz glauben.

Ich meinte, ich war im Grunde abgestumpft für Phänomene jeglicher Art. Obwohl ich in einer Realität lebte, in der Magie und Technik weitgehend in den Roman- und Film-Sektor verbannt worden war, war es für mich der Alltag gewesen. Ich hatte lediglich im Laufe der Jahre gelernt, darüber zu schweigen.

Außer, man wollte ein Express-Ticket in ein Sanatorium haben. Dann konnte man natürlich darüber sprechen. Die Menschen in meiner Realität glaubten nicht daran, selbst dann, wenn es direkt vor ihren eigenen Augen geschah.

Ich hatte nur einen Spiegel berührt. Und jetzt war ich hier. In diesem Raum. Und ich hatte absolut keine Ahnung, was es für was bedeutete. Und eigentlich wollte ich auch nicht darüber nachdenken. Denn ich hatte den starken Verdacht, dass das wieder einer dieser Moment war, der Konsequenzen nach sich ziehen würde.

Und so fragte ich mich, ob die werten Herren in Schwarz, die ich bisher nur aus Visionen und Träumen kannte, aus Räumen im Efir, mich auch hier verfolgen würde. Denn als ich als energetische Präsenz hier gewesen war – hatten sie es getan.

Aber jetzt war ich körperlich hier. Und das veränderte absolut alles. Ich wusste nur nicht, in wie weit und in welche Richtung.

Und dann war ich noch ausgerechnet bei IHM gelandet.

Nicht irgendwo, sondern bei ihm.

Und das war wohl, was mich am meisten an diesem Moment traf.

Auch wenn ich nicht leugnen konnte, dass ein Teil von mir sich freute.

Ich hätte ihn so gerne gefragt, was los war. Was passiert war. Wie das überhaupt möglich war, wo doch alle Welten, Zeiten und Linien so strikt getrennt gehalten wurden.

Aber wenn ich ihn mir so ansah, dann hatte ich den Verdacht, dass er es selbst nicht so genau wusste.

Er hatte unter Garantie einen Verdacht. So war er eben. Aber ich kannte ihn auch gut genug, um zu wissen, dass er es mir nicht sagen würde. Höchstens, wenn der Moment kam und er keine Wahl mehr hatte. Oder der Raum sicher war.

Ein Teil von mir glaubte, dass ich gleich wieder zurückkehren würde.

Aber stattdessen blieb ich genau dort, wo ich gerade war. Und langsam begann es sich in meinem Kopf zu setzen: Ich würde noch eine ganze Weile lang hier bleiben.

Es war wie ein Wissen, dass plötzlich in meinem Verstand freigeschalten wurde. Nicht eingespielt. Es war definitiv eine Freischaltung.

Und das machte den gesamten Moment noch verwirrender.

Obowhl eigentlich alles klar auf der Hand lag.

Als wäre einfach plötzlich jemand All-In gegangen.

Also blieb ich sitzen. Zwang mich, ruhig zu atmen. Legte einen Finger in meine Brustmitte, um mich zu stabilisieren.

Und wartete darauf, dass er irgendetwas sagte.

Oder sich wenigstens bewegte.

 

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