Empörung war einmal Energie.
Ein Aufbäumen. Ein klares „So nicht“.
Heute wirkt sie oft wie Routine.
Berechenbar. Planbar. Fast erwartbar.
Kaum geschieht etwas, formieren sich die Fronten.
Hashtags stehen bereit.
Haltungen sind vorgefertigt.
Der Pfeil
Empörung nutzt sich ab, wenn sie zur Dauerhaltung wird.
Was permanent brennt, wärmt nicht mehr – es erschöpft.
Gesellschaften, die ständig in Alarmbereitschaft sind, verlieren irgendwann die Fähigkeit zur echten Unterscheidung:
Was ist wirklich gravierend?
Und was nur ein weiterer Anlass, sich zu positionieren?
2027 könnte man zurückblicken und feststellen:
Nicht die Skandale haben uns müde gemacht – sondern die Dauererregung.
Der Sumpf
Der Sumpfisch sitzt auf einem Stapel alter Protestschilder.
Er dreht eines um – auf der Rückseite steht schon das nächste Thema.
Er sagt:
„Wenn alles ein Aufschrei ist, hört keiner mehr den Ernst.“
Dann legt er das Schild weg.
Und wartet, bis wieder etwas wirklich Gewicht hat.
👉 Tyrs Pfeil:
Empörung ist kein Kompass.
Sie ist ein Signal.
Und Signale verlieren ihre Kraft, wenn sie niemals verstummen.
Antworten