TnS(E) – 1.5.2 – Kapitel Fünf – Symbolik – Mira

Elyon führte mich quer durch die Stadt. Und das über Wege, die für mich mehr als fragwürdig waren. Ich kannte diese Ecken. Diese Straßen. Ich war hier schon unzählige Male im Efir entlanggelaufen. Wenn auch fast immer im Fluchtmodus.

Ich hatte bereits eine Vermutung, wo er mich hinführte. Aber irgendwie war da ein Teil in mir, der sich einfach weigerte, es zu glauben. Es konnte doch nicht sein, dass der Efir für diese Welt so dermaßen unkreativ gewesen war. Es gab bei jeder Stadt, jeder Welt, Abweichungen. Zum Teil Gravierende. Und ausgerechnet hier sollte sie perfekt abgebildet sein?

Ich würde mich ja verarscht fühlen deswegen. Doch das Gefühl war ein anderes: Ich empfand es als äußerst bedenlich.

Und am Ende waren wir tatsächlich genau dort, wo ich vermutet hatte, dass er mich hinführen würde. Von außen war dieses Café kaum zu sehen. Es wurde kaum beachtet.

Wir gingen hinein. Es war genauso klein. Und ich spürte fast schon eine enorme Erleichterung, als ich sah, dass wenigstens hier die Architektur stark von der Efir-Variante abwich. Hatte er mich deswegen hergebracht?

„Elyon. Long time not seen“, begrüßte ihn der Mann hinterm Thresen. Eylaon sagte nichts. Er nickte ihm nur zu.

Dann deutete er mit einer Handbewegung auf einen Tisch. Die Geste war klar. Ich verdrehte meine Augen.

Aber ich ging dennoch vollkommen artig an den Tisch und nahm Platz. Während Elyon zu dem Mann ging und leise mit ihm zu reden begann. Ich zappelte in der Zwischenzeit unruhig mit meinem Bein unterm Tisch. Das hatte ich schon lange nicht mehr gemacht. Und ich konnte nicht klar sagen, ob ich nervös oder ungeduldig war.

Ich hätte nur zu gerne gewusst, worüber sie sprachen. Und gerade deswegen zwang ich mich dazu, nicht darauf zu achten und mich abzulenken, indem ich mich weiter im Raum umsah. Im Efir war es ein schickes Café im Schatten, an dem sich alle möglichen Gestalten aus allen Welten trafen. Fernab der Regierung und Kontrollinstanzen.

Doch hier…

Es war grau. Staubig. Menschenleer. Ein Teil der Einrichtung war alt und passte überhaupt nicht in das sonst modern ernscheinende Bild der Stadt. Ein Teil der Inneneinrichtung war defekt. Und am Ende des Raumes stand ein Bücherregal, das absolut nicht ins Bild passte.

Und dann fiel mein Blick auf das Bild, das direkt an der Wand neben dem Tisch hing, an dem ich hatte vollkommen freiwillig Platz nehmen sollen.

Im Grunde war es nichts Besonderes. Es war einfach nur eine Anhäufung von ineinander gelegten Vierecken unterschiedlicher Größe. Und dennoch zog es mich sofort an. Magisch. Wie ein Bann. Was einfach schon allein daran lg, dass es voller Farben war. Und damit einfach so sehr ins Auge stach, dass es mich wunderte, dass ich es jetzt erst und nicht direkt bemerkt hatte.

Und so konnte ich nicht anders.

Ich streckte meine Hand aus und berührte es.

Und kaum, das meine Fingerspitze das grüne Viereck in der Mitte rechts unten berührt hatte, passierte etwas.

Es war, als würde sich die Farbe aus dem Bild heraus um meine Finger, um meine Hand herum, entlang fädeln. Wie eine Schlange, die meine Hand, meinen Arm, umschlang. Bis sie sich einmal vollständig um meinen gesamten Körper gelegt hatte. Um dann in mich einzudringen. Als würde dieser Strudel aus Farben mit mir verschmelzen.

Und kaum, dass es begonnen hatte, war es auch schon wieder vorbei.

Irritiert sah ich in Richtung von Elyon. Ich wollte wissen, ob er es auch gesehen hatte. Und fragte mich sofort, welche Grenze ich jetzt wie überschritten und verletzt hatte, ohne, dass ich irgendeine Absicht dahinter gehabt hätte. Was mir aber – wie immer – so oder so niemand glauben würde.

Ich sah, wie Elyon und der Mann fassungslos auf mich starrten. Und doch sahen sie nicht mich an – sie sahen durch mich hindurch.

„Ist sie gerade…“, begann der Mann ungläubig zu sprechen.

Elyons Augen weiteten sich nur minimal.

Und ich konnte an seinem Gesichtsausdruck nicht ablesen, ob er belustigt oder wütend war. Oder einfach nur beunruhigt.

„Jup. Sie ist gerade einfach verschwunden“, sagte er nur und klang dabei viel zu ruhig.

 

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