TnS(E) – 1.4.6 – Kapitel Vier – Anker – Der Traum eines Mädchens

Mädchen gewöhnte sich an ihr Leben im goldenen Brösel. Es war ein schickes Gasthaus. Und es schien voller Magie und Fabelwesen zu sein. Oftmals erschien es ihr so, als sei es ein Traum, aus dem sie einfach nicht mehr aufwachte.

Hier gab es Trolle. Kobolde. Und andere Wesen, deren Namen und Beziechnungen si enicht kannte. Es war lustig. Auch wenn der Wirt ofmals über sie fluchte.

Die Speisen und Gränkte trugen seltsame Namen. Wie „feuriger Abgang“ – ein Schnaps, der wie flüssige Lava aussah und immer dampfte. Oder „Stein-Ragout“ – der wirklich aus Steinen in einer seltsamen, grünlichen Flüssigkeit bestand.

Und dann war da noch der Junge.

Genau wie sie, lebte er im Brösel. Sie wusste nicht, wie er hierher gelangt war. Sie hatte versucht mit ihm zu sprechen. Aber er sprach mit ihr kein Wort. Und ging ihr auch sonst aus dem Weg. Also nahm sie einfach an, dass er eine ähnliche Geschichte wie auch sie hatte.

Jeder Tag bot ihr etwas Neues und Erstaunliches.

Und ihr kam es so vor, als würde sie in einem Märchen leben.

Der Wirt ließ sie putzen. Er schien nicht so recht zu wissen, was er mit ihr anfangen sollte. Aber sie beide wussten, dass sie ihre Schuld irgendwie abarbeiten musste.

Der Wirt hatte etwas Dunkles und Bedrohliches an sich. Viele schienen ihn zu fürchten. Und auch sie hatte am Anfang Angst vor ihm gehabt.

Aber irgendwie…

Je mehr Zeit sie hier verbrachte, desto ulkiger fand sie ihn. Fast schon wie einen knuffigen Bären, der versuchte, bedrohlich zu wirken.

Das Einzige, was für sie schwierig war, waren die Nächte.

Denn wenn sie sich hinlegte, begann sie sich an Menschen zu erinnern.

An einen Mann, der ihr Vater gewesen war. Eine Frau, die sie „Mutter“ genannt hatte. Und eine kleine Schwester, kaum älter als zwei Jahre und ständig am Schreien, obwohl sie alles bekam, was sie brauchte.

Sie konnte spüren, dass sie sie vermisste. Dass sie eine lange Zeit ein Teil ihres Lebens gewesen waren.

Und doch…

Mit jedem Tag, den sie hier verbrachte, rückten diese Erinnerungen immer weiter in die Ferne.

Bis sie sich so gut wie gar nicht mehr an sie erinnerte.

Bis sie nur noch ein Echo eines fremden Lebens waren, dass sie hinter sich gelassen hatte.

 

Archiv-Eintrag:
Subjekt „Mädchen“ in Einrichtung „goldener Brösel“ integriert.
Tägliche Routine etabliert (Arbeit → Schuldabtragung).
Neue Nebenfigur: „der Junge“ (Kommunikation verweigert, Statuts unklar).

Efir-Beobachtung:
Primäranomalie = Verlust familiärer Erinnerungen.
Eltern + Schwester nur noch als Echo vorhanden.
Risko: Identitätsauflösung.

Protokoll-Nachtrag:
Systemische Gewichtung → Schuldabtragung tritt zurück.
Dominant erfasst: Erinnerungsverlust.
Priorität: hoch.
Empfohle Maßnahme: Langzeitüberwachung.

 

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