🟣Aus dem Garten: Der Baum, der zuhört

Im Garten des Sanatoriums steht ein Baum, dem nachgesagt wird, er höre zu. Offiziell ist das nicht bestätigt. Inoffiziell widerspricht niemand.

Der Baum steht dort schon länger, als sich viele erinnern können.
Er hat keine erklärende Tafel, keinen besonderen Namen und keine sichtbare Aufgabe.
Und doch bleiben Besucher häufiger in seiner Nähe stehen als anderswo.

Manche sagen, es liege an der Art, wie seine Äste ausgreifen.
Andere meinen, es sei der Schatten, der nicht ganz dort fällt, wo man ihn erwartet.
Wieder andere behaupten, der Baum reagiere – nicht sichtbar, aber eindeutig.

Es gibt Berichte, wonach Gespräche in seiner Nähe kürzer werden.
Nicht abrupt.
Eher so, als hätte jemand beschlossen, nichts Überflüssiges mehr zu sagen.

Gelegentlich wird auch von Kommentaren gesprochen.
Nicht in Worten, versteht sich.
Eher in Form von plötzlicher Klarheit, einem inneren „Ach so“ oder dem starken Wunsch, ein Thema ruhen zu lassen.

Die Hausleitung sieht derzeit keinen Anlass, den Baum zu versetzen oder näher zu untersuchen.
Er erfĂĽllt seine Funktion.
Auch wenn diese nicht eindeutig benannt ist.

Stimmen & Kommentare:
– „Ich hatte das Gefühl, ich werde verstanden, ohne etwas zu erklären.“ – Besucherin
– „Er hat nichts gesagt. Aber ich wusste, was gemeint war.“ – Randnotiz
– „Nicht jeder Kommentar braucht eine Stimme.“ – Redaktion

Telegram-Kurzformat:
🌳 Baum hört zu. Wirkung anhaltend.

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