Die Timing-Abteilung des Lädle

(„Hat jemand mitgeschrieben???“)

Die Timing-Abteilung gehört zu den jüngeren offiziellen Bereichen des Lädles.

Timing selbst ist deutlich älter.

Und aus bisher ungeklärten Gründen scheint es das Lädle besonders zu mögen.

Dabei muss nichts Ungewöhnliches passieren.

Und aus bisher ungeklärten Gründen scheint es das Lädle besonders zu mögen.

Dabei muss nichts Ungewöhnliches passieren.

Manchmal reicht es vollkommen aus, dass mehrere völlig gewöhnliche Dinge in einer Reihenfolge geschehen, die Kinder und Personal zum Lachen bringt und erwachsene Kunden daran zweifeln lässt, ob sie gerade wirklich gesehen haben, was sie gesehen haben.

In solchen Fällen wird dokumentiert.

Im Augenblick vorsichtshalber fast alles.

Was gilt als Timing-Vorfall?

Das herauszufinden, ist derzeit Teil der Aufgabe.

Die Timing-Abteilung sammelt zunächst Ereignisse, die aufgrund ihres Zeitpunkts, ihrer Verkettung oder der Reaktion der Beteiligten auffallen.

Hinweise können beispielsweise sein:

  • ein kollektiver Kicher-Vorfall,
  • auffällig gleichzeitiges Augenverdrehen,
  • ein Vorkommnis unmittelbar nach einem Augenbrauenheben,
  • ein irritiertes „Huch? Was war das?“,
  • ein „Hast du das auch gesehen?“,
  • oder der plötzlich auftretende Verdacht, dass irgendjemand diesen Vorgang besser festhalten sollte.

Dabei fällt der Satz „Hat jemand mitgeschrieben???“ deutlich häufiger als „Schreibt das bitte auf!“.

Meistens fällt nämlich erst nach dem Ereignis auf, dass es interessant gewesen sein könnte.

Die Dokumentation

Je nachdem, wer einen Vorfall dokumentiert, können die Aufzeichnungen sehr unterschiedlich aussehen.

Neuere Beobachter konzentrieren sich häufig auf andere Einzelheiten als Personen, die bereits länger mit Timing-Vorfällen arbeiten.

Das ist bekannt.

Es wird derzeit nicht vereinheitlicht.

Gerade die unterschiedlichen BEobachten können später noch nützlich sein.

Auch Kunden können zu Hinweisgebern werden. Sie müssen dafür weder Mitglied der Timing-Abteilung sein, noch wissen, dass sie gerade einen möglichen Vorfall gemeldet haben.

Manchmal genügt: „Hast du das auch gesehen?“

Das Personal kümmert sich um den Rest.

Wer gehört zur Timing-Abteilung?

Das ist unterschiedlich eindeutig.

Es gibt festes Personal.

Es gibt freiwillig hineingerutschte Beobachter.

Es gibt Hinweisgeber.

Und es gibt Personen, die nicht mehr genau wissen, wann sie eigentlich Mitglied der Timing-Abteilgung geworden sind.

Letzteren wurde die Möglichkeit gegeben, wieder auszusteigen.

Der häufigste Kommentar dazu lautete: „Ne. Ich geh nicht. Das ist einfach zu lustig.“

Die Personalfrage gilt damit vorläufig als geklärt.

Timing oder Zufall?

Der derzeitige offizielle Schwerpunkt der Timing-Abteilung liegt auf dem Sammeln.

Bevor größere Schlüsse gezogen werden, soll zunächst besser verstanden werden, wann tatsächlich von einem auffälligen Timing gesprochen werden kann – und wann etwas schlicht Zufall war.

Das ist schwieriger, als es klingt.

Ein beliebtes älteres Beispiel lautet: „Wenn jetzt ein Clown hier auftaucht, dann kündige ich.“

In genau diesem Moment betritt ein Clown der Raum.

Der Clown selbst war nicht ungewöhnlich.

Sein Betreten des Raumes ebenfalls nicht.

Der vorherige Satz wäre für sich genommen auch kein Fall für die Timing-Abteilung gewesen.

Zusammen wurden sie dokumentiert.

Ob es Timing oder Zufall war, ist damit noch nicht beantwortet.

Aber jemand hat mitgeschrieben.

Timing-Ketten

Nicht alle Vorfälle bestehen aus einem einzelnen passenden Moment.

Manchmal beginnt etwas vollkommen unspektakulär: „Ich wollte nur kurz einen Kaffee holen.“

Dort trifft die betreffende Person X.

X erschrickt.

Dadurch stolpert X.

Y springt zur Seite.

D lacht.

M fällt um.

Dadurch findet P etwas wieder, das schon lange gesucht wurde.

Z wundert sich darüber.

S kommt dadurch zu einer Erkenntnis, die unbedingt O mitgeteilt werden muss.

O geht deshalb früher.

Und erwischt dadurch sein Kind mit dessen Freundin.

Was wiederum dazu führt, dass…

An diesem Punkt spricht die Timing-Abteilung von einer Timing-Kette.

Wie weit solche Ketten reichen können, ist unterschiedlich.

Ihre vollständige Rekonstruktion ist nicht immer möglich.

Die Feststellung „Und dann ist noch viel mehr passiert.“ wird deshalb unter bestimmten Umständen als vorläufiges Ende der Dokumentation akzeptiert.

Offizielle Aufgabe

Die Timing-Abteilung dokumentiert auffällige Timing-Vorfälle.

Mehr nicht.

Inoffizielle Auswertungen während der Pause fallen nicht unter die Arbeitszeit.

Darauf legt man Wert.

Hinweis für Besucher

Falls während Ihres Einkaufs mehrere Personen plötzlich anfangen zu lachen, die Augen verdrehen oder gleichzeitig in Richtung einer bestimmten Person sehen, besteht zunächst kein Grund zur Sorge.

Sollte anschließend jemand rufen „Hat jemand mitgeschrieben???“ wurde der Vorfall wahrscheinlich bereits bemerkt.

Sie dürfen Ihren Einkauf fortsetzen.