Die Kaffeekanne des Vergessens

(Der Kaffee ist wirklich verdammt gut.)

Die Kaffeekanne des Vergessens gehört zu jenen Gegenständen des Goldenen Brösels, deren Name überraschend wörtlich zu verstehen ist.

Man trinkt Kaffee daraus.

Man vergisst etwas.

Was genau man vergisst, ist allerdings eine deutlich kompliziertere Frage.

Die Aktenlage

Zur Kaffekanne existiert selbstverständlich eine eigene Akte in den Brösel-Archiven.

Sie wurde ordnungsgemäß angelegt, bearbeitet und abgeheftet.

Sie ist leer.

Nach aktuellem Kenntnisstand wurde sie beie einer Tasse Kaffee aus der Kaffeekanne des Vergessens verfasst.

Die Archive betrachten dies inzwischen als einen der zuverlässigsten Nachweise dafür, dass die Kanne funktioniert.

Wie funktioniert sie?

Das Vergessen scheint von mehreren Faktoren beeinflusst zu werden.

Unter anderem von:

  • der eigenen Absicht,
  • den ktuellen Gedanken,
  • den damit verbundenen Gefühlen,
  • sowie der Frage, ob man alleine oder gemeinsam mit jemand anderem trinkt.

Wer nährere Informationen zur genauen Funktionsweise möchte, wird vom Wirt überlicherweise an das Mädchen verwiesen.

Das Mädchen kichert und deutet auf die Topfpflanze.

Die Topfpflanze raschelt mit den Blättern.

Kurz darauf erscheint erfahrungsgemäß Oli mit einer Tasse Kaffee in der Hand.

Auf Nachfrage erklärt er: „Ich kann mich nicht erinnern.“

Weitere Untersuchungen verliefen bislang ähnlich erfolgreich.

Warum trinken Menschen daraus?

Die bisherigen Nutzer lassen sich grob in vier Gruppen einteilen.

Kategorie 1: „Der Kaffee ist verdammt gut.“
Weitere Begründungen werden nicht für notwendig gehalten.

Kategorie 2: „Das ist wie Vergessen-Roulette.“
Von einer Nachahmung wird abgeraten.

Kategorie 3: „Mutprobe im Sanatoriums-Stil.“
Auch von einer Nachahmung wird abgeraten. Erfahrungsgemäß erhöht dieser Hinweis allerdings hauptsächlich das Interesse.

Kategorie 4: „Hä? Weil ich vergessen will.“
Diese Gruppe verwendet die Kanne gezielt. Die eigentliche Schwierigkeit besteht offenbar darin, beim Trinken das Richtige zu denken und/oder zu fühlen. Was geschieht, wenn das nicht gelingt, ist nicht zuverlässig dokumentiert.
Siehe: Aktenlage.

Gemeinsames Trinken

Besondere Vorsicht ist geboten, wenn mehrere Personen gleichzeitig Kaffee aus der Kanne trinken.

Wer mit wem trinkt, scheint Einfluss auf die Wirkung zu haben.

Welche Auswirkungen das im Einzelnen besitzt, konnte bislang nicht abschließend geklärt werden.

Der Goldene Brösel empfiehlt daher, sich vor dem gemeinsamen Trinken zumindest darüber im Klaren zu sein, mit wem man am Tisch sitzt.

Sollten Sie sich hinterher nicht mehr daran erinnern, war diese Empfehlung möglicherweise berechtigt.

Hinweis für Besucher

Überlegen Sie vor dem ersten Schluck sorgfältig, woran Sie denken möchten.

Noch wichtiger: Überlegen Sie, woran Sie nicht denken möchten.

Und falls Sie lediglich wegen des Kaffees hier sind: Ja. Er ist wirklich verdammt gut.

Ob er das Risiko wert ist, müssen Sie anschließend selbst beurteilen.

Sofern Sie sich noch daran erinnern.