Die Prinzessin und der Ritter verbrachten nach ihrem Gespräch viele Stunden zusammen. Zuerst vorsichtig. Doch zunehmend mit Spaß und Freude und einer wachsenden Freude, an der Bewertung der Kandidaten, die ihr vorgesetzt wurden.
Der Tag, an dem sie einander auf dem Turm begegnet waren, beschäftigte die Prinzessin noch eine lange Zeit.
Nachts, wenn sie sich schlafen legte, dachte sie an ihn. Nicht nur an seine Worte, sondern an sein gesamtes Auftreten. Seine dunklen Augen. Sein Lächeln. Die Wärme, die in seiner Ausstrahlung lag – und nur zu leuchten schien, wenn er in ihrer Nähe sich befand.
Tagsüber, wenn sie ihren Tätigkeiten nachging. Ihn aus den Augenwinkel sah, wie er mit anderen sprach. Oder anderen Dingen nachging, die ihr Vater ihm auftrug.
Zunächst unternahmen sie nichts hinsichtlich seines Vorschlags.
Was nicht an ihm lag, sondern an ihr: Immer und immer wieder ließ sie sich seine Worte, seinen Vorschlag, durch den Kopf gehen.
Sie wusste, dass er Recht hatte. Dass sie bald einen Kandidaten wählen musste, bevor ihr Vater ihr einen bestimmte. Sie wusste, dass sie im Vergleich zu vielen anderen ein enormes Vorrecht eingerräumt bekommen hatte, mitbestimmen zu können. Doch das machte ihre Lage nicht viel besser.
Irgendwann began sie den Ritter zu den einzelnen zu befragen. Meistens zu denen, mit denen sie längere Gespräche geführt hatte. Sie wollte diese Ritter persönlich kennenlernen. Doch von den meisten erhielt sie einen ausführlichen Bericht darüber, aus welchem Haus oder Reich sie kamen – und was es alles zu bieten hatte.
Was mit normalen Gesprächen und ihrem neuen Vertrauten begann, mündete schon bald in Scherze und Späße. Es hatte damit begonnen, dass sie über einen hergezogen war. Sie hatte ihre Zunge nicht mehr zügeln können. Zu viel hatte sich angestaut. Auch wenn sie wusste, dass sich das nicht gehörte. Er hatte ihr zugehört. Sie nicht korrigiert. Sie nicht sanft getadelt. Sondern gelacht. Und nach und nach auch selbst getraut, gewisse Scherze auf Kosten der anderen zu machen. Die wiederrum sie zum Lachen brachten.
Sie konnte nicht leugnen, dass sie die Zeit mit ihm genoss. Und sich auf eine Weise entspannte, die neu für sie selbst war.
Schon bald wusste sie so viel über die anderen Ritter, dass es sie wunderte, wie sie sich all das merken konnte.
Aber auch, wie wenig ein jeder von ihnen etwas bedeutete. Sie nahezu schon anwiderte.
Und so fand sie sich wieder auf dem Turm wieder.
Stand oben alleine.
Und blickte in den roten Abendhimmel hinaus.
„Alles in Ordnung?“, ertönte die sanfte und tiefe Stimme, die ihr inzwichen vertraut geworden war.
Dieses Mal zuckte sie nicht zusammen.
Aber Freude stieg in ihr auf, dass er hier war.
Sie konnte nicht verhindern, dass sie zu lächeln begann.
„Ja“, antwortete sie ihm. Ihre Stimme kaum mehr als ein Flüstern.
Sie hörte, wie er mit langsamen Schritt zu ihr kam.
Bis er leicht hinter ihr stand.
Ein Gefühl von Sicherheit breitete sich in ihr aus.
Und anders zuvor, unterband sie es nicht – sie ließ zu, dass es sich in ihr ausbreitete.
Zusammen mit der Wärme, die damit verbunden war.
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