TnS(E) – 1.3.2 – Handlungsabsicht – Mira

Ich sah ihm noch eine Weile lang aufmerksam zu. Bis er sich endlich in meine Richtung bewegte. Dabei konnte ich deutlich sehen, dass in seinem Inneren sich etwas verschoben hatte. Dass etwas in ihm eine innere Unruhe erzeugt hatte.

Zu meiner Überraschung lief er direkt zu mir. Und setzte sich dann einfach neben mich. Ich konnte spüren, dass er nach Worten rang. Dass er irgendetwas sagen wollte. Und dabei war ich nicht einmal sicher, ob er das tun wollte, um mich oder sich zu beruhigen.

Ich konnte nur mit Gewissheit sagen, dass er angespannt war. Und das noch wesentlich stärker als sonst.

„Können wir hier bedenenfrei bleiben? Oder muss ich damit rechnen, dass deine Kollegen gleich auftauchen?“, fragte ich ihn aus einem Gedanken heraus. Im selben Augenblick, kaum, dass ich die Frage gestellt hatte, biss ich mir wieder auf die Zunge.

Ich merkte selber, dass die Frage nicht nett war. Dass sie ihn traf. Und das wollte ich nicht. Ich konnte nicht mit Gewissheit sagen, was mich in dieser Welt tatsächlich erwartete. Und ich wollte ihn nicht verärgern.

Ich sah, wie er tief Luft holte.

Ich sah ihm deutlich an, dass es nicht dazu beigetragen hatte, dass er sich entspannte. Oder zu sprechen begann.

„Du bist hier real“, sprach er dann langsam und zögerlich. Er wollte mehr sagen. Brach aber ab. Damit war klar, dass die Dinge ein wenig anders leifen. Also nicht anders als in meiner Realität. Und genau deswegen wusste ich, dass ich erst Recht vorsichtig sein musste.

„Kann ich mich bedenkenfrei an einen Spiegel stellen? Hast du überhaupt einen?“, fragte ich ihn weiter. Ich wollte wissen, wie ich aussah. Er deutete nur in eine Richtung.

Ich stand auf und lief los. In die Richtung, in die er gezeigt hatte, die mich in die Diele der Wohnung führte. Hier hing tatsächlich ein Spiegel. Ich musste zugeben, dass mich die Diele ein wenig an die Wohnung erinnerte, in der ich in meiner Kindheit und Jugend gelebt hatte.

Ich sah mich an. Es war genau so, wie ich vermutet hatte. Ich sah anders aus. Nicht wie ich – aber dennoch fühlte ich mehr wie Ich, als jemals zuvor. Auch nicht unbedingt ein gutes Zeichen.

„Kann ich mich in der Küche bedienen?“, fragte ich ihn weiter. Aus dem Augenwinkel sah ich nur, wie er eine weitere Handbewegung machte. Also ging ich in die Küche, die ich ohnehin im Spiegelbild schon gesehen hatte.

Ich fand auf Anhieb alles, was ich suchte. Ein wenig verstörend war es schon, wie gut ich mich hier zurechtfand. Andererseits war es nicht weiter verwunderlich, wenn man bedachte, wie oft ich hier schon gewesen war.

Und genau in dem Moment, in dem ich in ein Brot mit einem Stück Käse hinein biss, kam er zu mir ins Zimmer gelaufen.

Wir tun das, was wir immer tun„, hallten seine Worte in meinem Kopf nach. Ja. Das klang verlockend. Nur hatte ich absolut keine Ahnung, was das materiell bedeuten sollte. Im Efir war es recht einfach für mich – für uns – gewesen. Sprünge durch Spiegel. Monitore. Und andere Dinge.

Und während ich diese Zweifel noch in meinem Inneren spürte, wurde mir schlagartig bewusst, dass ich genau das getan hatte. Materiell. Körperlich. Wenn auch unter Garantie nicht absichtlich.

Also warum sollte es nicht erneut möglich sein?

Elyon seufzte nur schwer, als er meine Augen aufleuchten sah.

 

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