Das Mädchen rannte.
Sie rannte um ihr Leben – so schnell sie konnte.
Sie wurde verfolgt.
Schon wieder.
Von Männern in schwarzen Anzügen, die sie erschießen wollten.
Von Zombies, die versuchten, sie zu fressen.
Von Hunden, die wie Roboter aussahen und sie zerfleischen wollten.
Von Raben und Krähen, die in Scharen auf sie herabstürzten.
Seit Monaten verfolgte sie dieses Bild.
Nacht für Nacht.
Und sie hatte keine Ahnung, was sie verbrochen haben sollte, dass sie das verdient hätte.
Alles, was sie bei sich trug, war ein schwarzes Buch.
Bisher war sie immer entkommen.
Bisher war es auch immer nur eine Gruppe gewesen, die sie jagte.
Doch heute waren es alle auf einmal.
Sie spürte, wie Verzweiflung in ihr aufstieg.
Machtlosigkeit.
Es gab nichts, was sie dagegen tun konnte.
Und gleich würde es für immer vorbei sein.
Sie kniff die Augen zusammen, um die Tränen zurückzuhalten.
Für einen winzigen Augenblick.
Genau in dem Moment, als sie stolperte.
Ein Fall, der ihr Ende hätte sein sollen.
Doch stattdessen hörte sie ein lautes Klirren und schlug unsanft auf einer harten Oberfläche auf.
Ein stechender Schmerz zuckte durch ihren Rücken. Und sie spürte, wie ihre linke Schulter zu bluten begann.
Wehleidig schlug sie die Augen auf – und blickte in die Augen eines Manes.
Eines Wirts, der sie nur mit funkelndem Blick ansah, während er einen Bierkrug trocken wischte.
Er ließ sie keine Sekunde aus den Augen.
Aus dem Augenwinkel erkannte sie, dass sie sich in einer Art Gasthaus befand.
Der Wirt atmete tief durch und sprach:
„Uh. Das wird teuer.“
Archiv-Eintrag:
Ungewöhnliche Verdichtung von Ebenen. Subjekte befinden sich gleichzeitig im Modus „Jugendliche“ und „Erwachsene“.
Fragmentierung verzeichnet.
Efir-Beobachtung:
Namenstrigger Kaelen aktiviert. Resonanz: instabil.
Subjektreaktion: Abwehr + Fluchtreflex.
Vermerk: Der Name existiert in keiner offiziellen Linie.
Protokoll-Nachtrag:
Subjekt „Rahel“ zeigt Dunkelheitsreflex in den Augen.
Anamolie bestätigt, Status: kritisch.
Folgeprüfung notwendig.
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