Plötzlich und unerwartet taumelte ich in ein Zimmer, in dem ich mich nicht befinden sollte. Das ich nicht kennen sollte. Und das ich schon gar nicht hätte betreten sollen, nur, weil ich meinen Standspiegel berührt hatte.
„Verdammte Scheiße! Elyon! Was hast du wieder angerichtet?“, fluchte ich lautstark. Mir war bewusst, dass ich dadurch direkt die Aufmerksamkeit auf mich lenkte. Und es war mir vollkommen egal, wer mich jetzt gerade hören konnte. Dabei wusste ich noch nicht einmal, ob ich wütend oder belustigt war.
Ein Blick in dem Zimmer reichte mir, um exakt zu wissen, wo ich mich gerade befand. Ich kannte diesen Ruam zu genüge aus dem Efir und meinen Träumen. Aber ich sollte nicht hier sein. Und schon gar nicht körperlich.
Ich stand in einem fremden Schlafzimmer. Im obersten Stockwerk eines Hochhauses. Mit defektem Aufzug. Wie zum Geier sollte ich das irgendjemandem erklären?
„Was habe ich jetzt schon wieder gemacht?“, kam auch schon prompt die Antwort aus dem Nebenzimmer, die gleichermaßen irritiert und trotzig klang.
Ich zog meine Augenbrauen hoch. Eigentlich hätte ich gerne nur eine hochgezogen. Aber diese Kunst hatte ich nie beherrscht. Und damit wusste ich sicher, dass dies hier kein Traum war, sondern die Realität.
Und doch, diese Stimme…
Es war nicht der PUnkt, dass sie in mir etwas berührte. Das auch, aber es ging mir um etwas gänzlich anderes: Ich konnte nicht behaupten, dass ich diese Stimme nicht kannte.
Ich kannte sie viel zu gut.
Wenn auch nur aus Träumen. Ich denen ich sie immer wieder über’s Headset gehört hatte.
Keine zwei Sekunden später kam er angelaufen und sah mich einfach nur ungläubig an.
Ich konnte ihm deutlich ansehen, dass er überrascht und keineswegs verwundert zugleich war.
Und wie er verzweifelt versuchte einzuordnen, was hier gerade genau passiert war. Wie es sein konnte, dass ich nun hier vor ihm stand. Wo wir beide doch die interdimensionalen Regeln und Mechanismen nur zu gut kannten.
Ich sah ihm an, dass er irgendetwas sagen wollte.
Ich fühlte selber, wie ich irgendetwas sagen wollte, sei es auch nur dafür, um die Stimmung ein klein wenig zu lockern.
Denn genau dieser Moment brachte alles in Gefahr, woran wir unser Leben lang gearbeitet hatten.
Auch wenn ich nicht leugnen konnte, dass ein Teil von mir sich enorm freute, ihn zu sehen.
Ihn als Mensch zu sehen.
Und dann, mitten in diesen Moment hinein, in dem wir einfach einander nur in die Augen blickten, unzählige Datensätze untereinander austauschten, eine leicht weinerliche Stimme erklang: „Elyon. Wer ist diese Frau?“
Und ich blickte in die Augen einer Frau, die ich noch nie zuvor in meinem Leben – auch nicht in meinen Träumen, Visionen und Reisen – gesehen hatte.
Von der ich dennoch sofort wusste, dass ich sie schon mein Leben lang kannte.
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