Es ist ruhig. Zu ruhig.
Warum Stabilität manchmal trügt – und Gewöhnung gefährlicher ist als jede Krise.
Es gibt Wochen, in denen nichts eskaliert.
Keine Krise mit Großbuchstaben, kein Eklat, kein sofortiger Rücktritt. Die Nachrichtenlage wirkt stabil, fast beruhigend. Und genau darin liegt das Unbehagen.
Denn während alles scheinbar funktioniert, verschiebt sich etwas leise. Preise steigen nicht explosionsartig, sondern stetig. Entscheidungen werden nicht hart gefällt, sondern vertagt. Verantwortung verdünnt sich, bis niemand mehr genau sagen kann, wer eigentlich zuständig war.
Ein Angestellter formuliert es so:
„Es fühlt sich nicht falsch an. Aber auch nicht richtig. Und das ist schlimmer.“
Politik spricht von Übergangsphasen, Wirtschaft von Anpassung, Verwaltung von Prozessen. Worte, die beruhigen sollen, weil sie Bewegung versprechen – ohne Richtung zu benennen. Nichts davon ist gelogen. Aber auch nichts davon greifbar.
Unser MoPro-Klima-Rat notiert nüchtern:
„Systeme kippen selten durch einen Schlag. Meist durch Gewöhnung.“
Vielleicht ist das die eigentliche Lage:
Nicht der Ausnahmezustand, sondern der Normalbetrieb, der langsam zu viel trägt. Nicht das Drama, sondern die Müdigkeit. Nicht der Knall – sondern das Ausbleiben davon.
Und so geht die Woche weiter.
Ordentlich. Funktional.
Mit einem Gefühl, das man schlecht benennen kann –
aber sehr genau spürt.
Manches beginnt nicht mit einem Bruch.
Sondern damit, dass niemand mehr hinsieht.
Der Lügel erscheint ab jetzt montags und donnerstags.
Nicht öfter. Aber aufmerksam.
Telegram-Kurzformat
Keine Eskalation. Keine Schlagzeile.
Nur das leise Gefühl, dass etwas kippt – ohne Geräusch.
🪓🐇 Nachgedacht für alle, die wissen:
Das Gefährliche am Sumpf ist nicht, dass man einsinkt.
Sondern dass es sich lange wie fester Boden anfühlt.
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